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Ich bin gegen eine Duden-Disruption!

Startups, StartUps, Start-Ups oder doch Start-ups? Jeder, egal ob traditionsreiche Zeitung oder digitaler Newsletter, schreibt die Bezeichnung für die Old-Business-Challenger anders. Kann uns ja eigentlich auch egal sein, wie man das Business-Wort der letzten Jahre schreibt. Oder doch nicht?

Ist es in der heutigen Zeit einfach Geschmackssache, wie man Begriffe schreibt? Um das Ganze noch etwas weiterzutreiben: Ist es mittlerweile auch wurscht, wie man Kommata setzt, um dem Leser einen angenehmen Lesefluss zu ermöglichen? Und zu guter Letzt: Kennt heute noch irgendjemand die Regel, einzelne Begriffe mit einem Bindestrich elegant zu koppeln, damit man sie besser lesen und auch verstehen kann? Erst kürzlich las ich von Video Ad Serving Template Tags, In App Messaging Lösungen, Social Media Team Konzepten und IT Service Management Konzepten. Was gehört hier zusammen? Wie soll der Leser verstehen, welche Begriffe als eine Einheit zu verstehen sind und welche nicht? Sind wir auf dem Weg zu einer komma- und bindestrichlosen Schreibkultur? Hat der Duden, weil old-fashioned, als Rechtschreib-und Grammatikinstanz in der digitalen Welt, wo alles möglich und jeder ein Experte ist, schlichtweg ausgedient? Haben Google und Wikipedia den Duden disruptiert? Himmel! Kennt den Duden überhaupt noch jemand? Hilfe! Bekommen Schulkinder das Wörterbuch eigentlich noch als Rechtschreibhilfe für die zukünftige Lernlaufbahn gestellt? Duden! Du große alte Wortinstanz, Du Leucht- und Wachtturm meiner Schreibe – gibt es Dich überhaupt noch?

Ich, schon etwas älter, bin noch mit dem Duden aufgewachsen. Der Duden gehörte zu meiner Schulzeit dazu wie der Vogel mit dem großen Schnabel zum Füller. Ich habe ein Exemplar zu Hause und ich benutze ihn– offline und lieber noch online. Und ich finde, das sollten auch alle anderen weiterhin tun. Warum? Weil wir einfach zu viele bedeutende Schönschreiber hervorgebracht haben, um nach nur ein paar Jahren Denglisch, Internet und Google alles Neue so zu schreiben, wie uns der Sinn steht – Wikipedia und digitale Schwarmintelligenz hin oder her. Klar, das klingt öde und auch bieder und irgendwie auch nicht besonders digital und weit vorne. Aber, bitte einmal tief Luft holen, hier geht es um Kultur. Um Schreibkultur. Der Duden ist eine kulturelle Errungenschaft. Ein für alle geltendes Regelwerk, das man sich über viele Jahre im wahrsten Sinne des Wortes errungen hat. Konrad Dudens Anliegen am Ende des 19. Jahrhunderts war pädagogischer Natur. Ungebildete Bevölkerungsgruppen sollten durch sein Wörterbuch leichter das Lesen und Schreiben lernen. Heutzutage erfüllt das Kompendium noch eine weitere Funktion: In unseren komplexen Zeiten können wir mit dem „Duden“ zumindest beim Schreiben noch die Übersicht behalten. Wer erfolgreich sein will, sollte sich zudem gut ausdrücken können – die Macht des Wortes ist ungebrochen, richtig geschrieben sollte es aber schon sein.

Daher bin ich für den Beginn einer neuen Ära, den Start eines „Duden das doch mal!“, anstelle – oder zumindest als Ergänzung – zum gängigen Googeln. Duden wir es an!

Von Stephanie Eschen

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