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Smart in love with Siri – Utopie oder Zukunft?

Die Zukunft à la Hollywood ist oft düster und brutal. Allerdings gibt es ab und an auch cineastische Ausnahmen, die Science-Fiction nicht mit Katastrophen und Krieg gleichsetzen, sondern zeigen, wie sich unser Verhalten aufgrund von technischen Entwicklungen verändern könnte. Wie unser Alltag mithilfe der Stimmen von Siri und Alexa bereits in ein paar Jahren aussehen könnte, zeigt Spike Jonze in seinem Film „HER“ aus dem Jahr 2013.

In seinem Oscar-prämierten, romantischen Sci-Fi-Drama lässt uns der Regisseur Teil des Lebens von Theodore Twombly (gespielt von Joaquin Phoenix) werden. Twombly lebt in Los Angeles und verdient sein Geld als Ghostwriter für Briefe und Grußkarten. Er lebt im Zeitalter der Antikommunikation, in dem Gefühle nur noch auf einem Minimum ausgetauscht werden. Ein Grund dafür sind die sogenannten OS (Operation Systems), die menschliche Interaktionen und somit den Partner oder Freunde ersetzen. So auch bei Theodore. Um sich von seiner bevorstehenden Scheidung abzulenken, kauft er sich ein solches Betriebssystem. Nach ein paar persönlichen Fragen startet das System und stellt sich ihm als Samantha (gesprochen von Scarlett Johansson) vor. Mithilfe seines Handys unterhalten sich die beiden über das Leben und die Liebe. Aus der daraus entstehenden Freundschaft entwickelt sich bereits nach kurzer Zeit eine intime Beziehung. Eifersucht, Verlustängste und Enttäuschungen lassen den Austausch zwischen Samantha und Theodore sehr emotional werden. Das liegt vor allem daran, dass sich Samantha aufgrund ihrer künstlichen Intelligenz ständig weiterentwickelt und somit in Theodores Wahrnehmung immer menschlichere Züge annimmt.

 „Ich liebe die Art, wie du die Welt siehst.“ Theodore Twombly

Spike Jonze kreiert eine Sci-Fi Liebesgeschichte zwischen Mensch und System, die unsere heutige Nutzung von Technik weiterdenkt und uns und unserem eigenen Verhalten einen Spiegel vorhält. Mit Siri und Alexa ist die Utopie der allgegenwärtigen Betriebssysteme aus Jonzes Film bereits Realität geworden. Wer freut sich nicht, wenn auf ein „Hallo Siri“ ein freundliches „Hallo Johanna“ erwidert wird.

Einen Schritt weiter geht bereits Amazon Echo. Der Lautsprecher ist ein ideales Beispiel dafür, wie Geräte unseren Alltag, unser Verhalten und unsere Kommunikation beeinflussen und verändern. Durch Sprachbefehle können wir neue Lebensmittel bestellen, die aktuellen Charts abspielen oder uns Hörbücher vorlesen lassen werden. Die Geräte werden wie selbstverständlich Teil unseres Lebens und wir können aktuell nur spekulieren, wie lange es dauern wird bis aus Alexa ein Samantha-Pendant wird.

Aufgrund genau dieser aktuellen Entwicklungen ist „HER“ so spannend. Wenn mittlerweile sogar Tinder als Dating-Konzept salonfähig geworden ist, was spricht dann dagegen, dass man in ein paar Jahren eine romantische Beziehung mit Alexa oder Siri eingehen kann? Jonze kreiert mit „Her“ eine plausible Vision für das Jahr 2025. Das Besondere ist, dass der Film nicht den mahnenden Zeigefinger hebt, sondern unser heutiges und gegebenenfalls zukünftiges Verhalten kritisch hinterfragt. Denn als Zuschauer müssen wir uns eingestehen, dass im Laufe des Films Samantha nicht nur Theodore, sondern auch uns erobert. Ihre Persönlichkeit und Empathie ist wichtiger als ihr nicht vorhandener Körper. „HER“ zeigt, wie schnell wir von der Technik manipuliert werden können und sogar von ihr emotional abhängig werden. Und genau darin besteht die Gefahr. Wenn Gefühle nur noch auf Befehl stattfinden und je nach Bedarf jederzeit „off“-gestellt werden können, müssen wir auf die Macht der menschlichen Körperlichkeit hoffen. Denn eine menschliche Umarmung und die damit verbundenen Emotionen kann selbst ein Betriebssystem nicht ersetzen … oder doch!?

Von Johanna  Marschall

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