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Story-Garantie: 4 Geschichten für Gründer

Nicht wenige behaupten, dass Storytelling als Allheilmittel in der Unternehmenskommunikation ausgedient hat. Storylistening, so die Experten, ist in Zeiten kundenzentrierter Marketingstrategien und individualisierter Kundenansprache der Schlüssel zu einer erfolgreichen PR-Kampagne.

Halt! Stopp! Bitte nicht ganz so schnell. Wer zur Hölle vertraut denn einer neuen Dienstleistung oder einem Produkt, das frisch und grün hinter den Ohren den Markt entert, einfach so, ohne etwas über seine Entstehung und die Menschen dahinter zu wissen? Es mag sein, dass der Kunde in erster Linie gehört werden muss, um nachhaltig Umsätze zu maximieren. Doch am Anfang des wirtschaftlichen Erfolgs steht in der Regel eine attraktive Marke, die Lust auf mehr macht.

Wie man eine solche Marke glaubwürdig verkauft, zeigen wir Ihnen anhand von vier Stories, von denen jedes Start-up mindestens eine erzählen kann.

1. „Wir müssen etwas ändern“

Auch wenn es sich um ein inzwischen ziemlich abgegriffenes Buzzword handelt: Hier haben wir ihn, den klassischen Fall von Disruption. Es gibt da zwar einen Markt für Ihr Produkt, aber das Angebot ist ausbaufähig. Wahrscheinlich haben Sie das sogar am eigenen Leib erfahren, sind deshalb der Meinung, dass es deutlich besser geht und bis in die Haarspitzen motiviert, es allen zu zeigen.

Die Männer unter uns kennen die Situation an der Drogerie-Kasse, den Blick, innerlich brodelnd, auf das Angebot an Nassrasierern und Klingen zum Nachkaufen gerichtet. Emotional angespannt, hin-und hergerissen zwischen Fassungslosigkeit (Preise von den Marktführern) und einer Mischung aus Schmerz und Trotz (leidvolle Erinnerung an die letzte Rasur mit einem zu günstigem Fabrikat). Ähnlich erging es auch Jeff Raider und Andy Katz-Mayfield von Harry’s aus New York, bis sie 2013 begannen, ihren Kunden hochwertige Nassrasierer zu einem fairen Preis auf Abonnement-Basis nach Hause zu liefern. Produziert werden die Klingen übrigens im beschaulichen, südthüringischen Eisfeld – „American designed – German engineered“, lautet deshalb der Claim des Unternehmens.

2. „Wir haben etwas Neues“

Ein weiterer Klassiker, der von Firmengründern gerne erzählt wird: Unser Produkt gab es noch nicht, wir haben es erfunden. Dabei ist immer zwischen echten Pionieren zu unterscheiden, den Daniel Düsentriebs unter den Gründern und jenen, die ihre ‚Erfindung‘ auf diese und jene ‚Inspiration‘ zurückführen und damit oftmals eigentlich nur verschleiern wollen, dass es sich bei ihrem Start-up um den Klon eines ausländischen Vorbilds handelt.

Ein Paradebeispiel für echte Innovation ist der Carsharing-Aggregator Carjump, der über seine App alle im Umkreis verfügbaren Mobilitätsangebote, darunter neben Autos auch Roller und Fahrräder, anzeigt und dafür mit den bekanntesten Carsharing-Anbietern zusammenarbeitet. Die Autoleihe per App ist heute natürlich kein disruptives Geschäftsmodell mehr. Doch die Aufwandsersparnis für den Endverbraucher ist beträchtlich, wenn er sich nur einmal einloggen muss und neben den verfügbaren DriveNow-Fahrzeugen in seiner Nähe gleichzeitig die von CarUnity oder Car2Go angezeigt bekommt. Gab’s so vorher nicht.

Häufig passt auch mehr als nur eine Story auf ein Unternehmen. So könnte Carjump auch behaupten:

3. „Wir lösen ein Problem“

Von Apple, Google und Facebook ist bekannt – Achtung, Gründer-Metaphorik –, dass ihre Erfinder es aus der Uni über die Garage bis an die Börse geschafft haben. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sie alle haben durch die Lösung grundlegender Probleme unseren Alltag in irgendeiner Weise leichter gemacht. Das Selbstverständnis des ein oder anderen CEOs sieht in diesem Zusammenhang sogar die Vokabel „Weltrettung“ vor. Aber es geht auch eine Nummer kleiner.

Nehmen wir mal an, Sie haben gerade ihr Studium beendet und kommen in eine neue Stadt, um Ihren ersten richtigen Job anzutreten. Natürlich mies bezahlt, deshalb ziehen sie in eine WG. Sie sind ziemlich ordentlich, der neue Mitbewohner ein Chaot. Da sie beide lange arbeiten, hat aber keiner von Ihnen Lust, am Dienstagabend gegen 20 Uhr noch die Wohnung zu putzen. Die Lösung liegt auf der Hand: eine Reinigungskraft.

So weit, so gut. Es gibt ja Kleinanzeigen-Portale im Internet. Zwei Haken: Sie sind beide gesetzestreue Bundesbürger und Schwarzarbeit ist tabu. Und Sie trauen grundsätzlich niemandem. Die Lösung: Ein professionelles und vertrauenswürdiges Vermittlungsportal für geprüfte Reinigungskräfte wie BOOK A TIGER. Das Start-up übernimmt die gesamte Bürokratie und schickt nur Mitarbeiter, die zuvor ein umfangreiches Auswahlverfahren durchlaufen haben und intern fortgebildet wurden.

4. „Wir tun etwas Gutes“

Tue Gutes und rede darüber – hier und da zurecht verpönt, als Gründer aber ein goldrichtiger Ansatz, um über das Geschäftsmodell zu referieren. Neben gemeinnützigen Geschäftsideen wie der Welcome App für Flüchtlinge, deren Verdienste im performance- und profitgetriebenen Start-up-Kosmos viel zu häufig unerwähnt bleiben, dient der gesellschaftliche Nutzen auch anderen Business-Ideen als medialer Türöffner.

Nehmen wir die E-Learning-Plattform udemy als Beispiel für den vierten Ansatz des Storytellings für Gründer – „Wir tun etwas Gutes“ – so kann man den sozialen Aspekt an mehreren Punkten festmachen. So könnte man unter anderem argumentieren, dass ein solches Online-Angebot dabei hilft, die soziale Kluft im Bereich Bildung zu überbrücken, indem Nutzer Förderangebote zu unterschiedlichsten Themen in Anspruch nehmen können. Ganz zu schweigen von der Funktion der Website als Monetarisierungsplattform: Wer ein bestimmtes Talent hat, kann selbst Dozent werden und sich mit Onlineseminaren sogar ein geregeltes Einkommen sichern.

Und nun? Sie sind kein Disruptor? Kein Innovator? Kein Problemlöser? Und auch kein Gesellschaftsoptimierer? Denken Sie um die Ecke, hinterfragen Sie sich, Ihr Team, Ihr Business: Wo kommen Sie her, was macht Sie aus? Wenn auch das nicht hilft, ein letzter Tipp: Überdenken Sie Ihr Geschäftsmodell.

Von Timm Leibfried

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