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Fake News, Fake Shops, Fake Everything?

Seien es Fake Shops, denen 4,4 Millionen Deutsche zum Opfer fallen, ein großer Publisher, der Millionen Facebook-Fans Content ausspielt, der sich als ungekennzeichnete Werbung entpuppt oder mal wieder US-Präsident Donald Trump, der renommierte Medien wie CNN oder NY Times regelmäßig der Falschmeldungen beschuldigt und dafür, es liest sich selbst wie ein schlechter Aprilscherz, einen eigenen „Fake News Award“ ins Leben gerufen hat – kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über „Fakes“ berichtet wird.

Dabei gibt es Betrug schon so lang wie es Menschen auf Erden gibt. Auch manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten wurden bereits vor Jahrhunderten gezielt für Propaganda eingesetzt. Doch im Zeitalter des Internets ist die Distribution von Falschmeldung wesentlich einfacher geworden. Besonders auf Social-Media-Plattformen florieren Fake News weitestgehend ungehindert und beeinflussen die News Feeds Millionen Nutzer. Dabei können die Motive der Autoren sehr unterschiedlich sein. Besonders gefährlich sind Falschmeldungen, die zur politischen Meinungsmache instrumentalisiert werden. Ein trauriges Beispiel stellen hier die jüngsten Ereignisse in Chemnitz dar, wo einzelne Politiker der AfD sowie die rechtsextreme Hooligan-Gruppe „Kaotic Chemnitz“ unmittelbar nach dem Tötungsdelikt eines Deutschen rassistische Spekulationen als News verpackten, im Internet verbreiteten und somit die Randalen und aggressiv aufgeladenen Demonstrationen maßgeblich mit anheizten, so  der Kölner Stadtanzeiger. Obwohl faktisch keinerlei Hinweise auf sexuelle Belästigung oder gar Gewalt bestand, übernahm auch die BILD-Zeitung diese verheerenden Gerüchte, was die Reichweite der News schlagartig vervielfachte.

Aber nicht jede Fake News entspringt einer politischen Motivation, oft geht es ganz einfach um Geld. Denn Money makes the world got round und indem auf Social-Media-Kanälen systematisch reißerische, übertriebene Schlagzeilen platziert werden, erhöhen Portale und Publisher ihre Zugriffszahlen und Social-Shares. „Clickbait“ nennt man solche ködernden Überschriften, die den Verantwortlichen hohe Werbeeinnahmen zuspielen. Zwar ist nicht jede Clickbait-Überschrift automatisch Fake News, doch oft werden Fake News in Clickbait-Form veröffentlicht. Das Problem: Häufig lesen Social-Media-Nutzer nur die Überschrift, anstatt sich umfassend zu informieren oder gar den Artikel in Gänze zu lesen. Der Post wird geliket, geteilt und somit reichweitenstark verbreitet. So vervielfältigen sich Spekulationen und Fake News – egal ob harmlos oder nicht – schnell und ungefiltert.

Um die Auswirkungen und die Wahrnehmung von Fake News zu messen, wurde eine Vielzahl an Studien in Auftrag gegeben. Aktuellen Daten des Eurobarometers der Europäischen Kommission zufolge, befand sich das Vertrauen der Deutschen in Zeitungen und Zeitschriften 2017 im Vergleich zu den letzten neun Jahren auf einem Höchststand. Das Vertrauen in Social-Media-Kanäle soll laut einem Sonderreport des Edelman Trust-Barometer jedoch drastisch abgenommen haben und auf 27 Prozent gefallen sein. In einer Studie der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung stuften 81 Prozent aller Befragten Fake News in den Sozialen Medien sogar als eine „Gefahr für die Demokratie“ ein – in einem Zug mit Hasskommentaren und Verleumdungen. Doch wenn die Mehrheit auf das Thema Fake News sensibilisiert ist, wie erklärt sich trotz allem ihr anhaltender Erfolg? Verbreiten die 27 Prozent, die weiterhin in Social Media vertrauen, den Großteil aller Falschmeldungen? Oder fallen sogar die, die sich selbst als misstrauisch einschätzen, auf Fake News rein?

Fakt ist: Um ihr Image und das Vertrauen ihrer User wiederaufzubauen, arbeiten Social Media-Plattformen mit Hochdruck an Lösungen gegen Fake News. So lässt Facebook neben den schriftlichen Posts seit Neuestem auch Fotos und Videos durch externe „Fakt-Checkers“ prüfen. Snap Inc. setzt im Kampf gegen Betrug primär auf Algorithmen und unterstützt derzeit ein Forschungsprojekt der University of California. Da die Plattformbetreiber allerdings noch keinen perfekten Masterplan zur Eindämmung von Fake News vorgelegt haben, liegt die Verantwortung primär auf den Nutzern. Mehr denn je gilt es den Verfasser, dessen Webseitenauftritt sowie die benutzten Hashtags zu prüfen und kritisch zu hinterfragen. Also lieber einmal zu wenig als zu viel auf den „Teilen“-Button klicken! Was sich für uns aus der PR- und Medienwelt so selbstverständlich anhören mag, ist es für viele leider nicht: Statt Facebook, Twitter, Instagram & Co. als primäre Informationsquelle zu nutzen, lieber auf etablierte und renommierte Nachrichtenhäuser, Zeitungen, Radioformate und TV-Magazine zurückgreifen. Und immer dran denken: Verstand einsetzen und kritisch hinterfragen war noch nie sexyer als heute!

Von Johanna Czorny