TUM – Studie mit mehr als 2.500 Unternehmen zeigt: Bestimmte Eigentümerkompetenzen fördern Wachstum – neues Tool ermöglicht individuelle Einschätzung.
Bin ich die geborene Unternehmerin oder der geborene Unternehmer? Mit nur 23 Fragen liefert das neue Ownership Competence Tool eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung. Entwickelt wurde es von Prof. Dr. Miriam Bird, Professorin für Entrepreneurship and Family Enterprise an der Technischen Universität München (TUM), Campus Heilbronn.
Das kostenfreie Online-Tool misst zwei zentrale Kompetenzen, die für Eigentümerinnen und Eigentümer von Unternehmen entscheidend sind: die sogenannte Matching-Kompetenz und die Governance-Kompetenz. Die Matching-Kompetenz beschreibt die Fähigkeit, unternehmerische Chancen zu erkennen und Ressourcen wirkungsvoll zu kombinieren – etwa bei der Einführung neuer Produkte oder Dienstleistungen oder beim Aufbau innovativer Geschäftsmodelle. Governance-Kompetenz wiederum bezeichnet die Fähigkeit, tragfähige Strukturen zu schaffen, unterschiedliche Interessengruppen auszubalancieren und eine nachhaltige Wertschöpfung sicherzustellen.
„Viele Menschen tragen unternehmerische Verantwortung, ohne genau zu wissen, wo ihre Stärken liegen. Mit unserem Tool machen wir diese Kompetenzen erstmals systematisch messbar“, sagt Professor Bird.
Vier Rollenprofile mit konkreten Entwicklungsempfehlungen
Die Beantwortung des Online-Fragebogens dauert rund zehn Minuten. Auf Basis der individuellen Ausprägungen ordnet das Tool die Teilnehmenden einer von vier Rollen zu: Wanderer, Wächter, Pionier oder Architekt. Neben einer kurzen Beschreibung des jeweiligen Profils erhalten Nutzerinnen und Nutzer konkrete Hinweise für ihre weitere Entwicklung als Unternehmenseigentümerin oder -eigentümer.
Wissenschaftliche Grundlage: Daten von mehr als 2.500 Unternehmen
Das Tool basiert auf den Ergebnissen einer umfassenden wissenschaftlichen Studie. Bird und ihr Team analysierten einen Datensatz mit Informationen zu Finanzen, Eigentumsverhältnissen und Top-Management von mehr als 2.500 deutschen inhabergeführten Unternehmen.
Gemeinsam mit Prof. Ed Saiedi von der BI Norwegian Business School untersuchten die Forschenden Dr. Jannis von Nitzsch und Prof. Miriam Bird zudem die LinkedIn-Profile der jeweils größten Anteilseignerinnen und Anteilseigner. Mithilfe eines sogenannten „Bag-of-Words“-Ansatzes wurden charakteristische Begriffe identifiziert, die Rückschlüsse auf bestimmte Kompetenzen zulassen. Analysiert wurden unter anderem Ausbildung, Berufserfahrung sowie Begriffe, die auf ausgeprägte Matching- oder Governance-Kompetenzen hinweisen – etwa „experimenting“, „creative“, „startup“ oder „entrepreneur“ bei der Matching-Kompetenz. Um die Aussagekraft dieser Methode zu überprüfen, wurden ausgewählte Begriffe in konkrete Fragen überführt und in einer Befragung von Unternehmensinhabern eingesetzt. Diese entwickelten Fragen werden nun den Unternehmen zur Verfügung gestellt.
Zentrale Ergebnisse der Studie
Die Untersuchung zeigt:
- Unternehmen wachsen mit höherer Wahrscheinlichkeit, wenn ihre Eigentümerinnen und Eigentümer über ausgeprägte Matching- und Governance-Kompetenzen verfügen.
- Der positive Zusammenhang ist bei jungen Unternehmen mit noch weniger verfestigten Strukturen besonders stark.
- In Familienunternehmen fällt der Wachstumseffekt der Governance-Kompetenz häufig geringer aus als in anderen Firmen. Ein möglicher Grund: Führungs- und Schlüsselpositionen werden dort mitunter unabhängig von Kompetenzprofilen innerhalb der Familie besetzt.
Das Ownership Competence Tool steht kostenfrei online zur Verfügung unter: https://www.ownership-competence.de/de/take-questionnaire.
BU/Fotocredits: Prof. Dr. Miriam Bird, Professorin für Entrepreneurship and Family Enterprise an der Technischen Universität München (TUM), Campus Heilbronn. © TUM Heilbronn