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„Wortschatz“ Kolumne – unsere Texterin Franzi schreibt über Sprache

Was machst du denn, Duden?

Bietet mehr, als viele denken: der Duden

Wer unsicher ist, was die deutsche Rechtschreibung angeht, sucht die Antwort auf duden.de oder schaut sogar noch in eine gedruckte Ausgabe des Wörterbuches. Im eigenen Umfeld gefragt, wird klar: der Duden ist quasi die Außenstelle der deutschen Rechtschreibung. Dabei ist die Basis dafür das sogenannte amtliche Regelwerk, herausgegeben vom Rat für deutsche Rechtschreibung. Nur hört man davon kaum je etwas. Natürlich folgt der Duden diesen vorgegebenen Regeln, doch er ist erheblich bekannter als die eigentliche Sprachinstanz. Bedeutet bekannt aber auch beliebt? Angesichts von Sprachveränderungen durch die Globalisierung und Social Media-Einflüsse jüngerer Generationen kommt man nicht umhin, sich zu fragen: Wie relevant ist der Duden heute noch?

Längst mehr als nur ein Wörterbuch

Er selbst sagt über sich „Duden, seit jeher gleichzusetzen mit „Wörterbuch“, ist die verlässliche Instanz für alle Themen rund um die deutsche Sprache und Rechtschreibung.“ Doch die meisten Menschen sehen im Duden eben nur das Nachschlagewerk. Eines, dass ein klein wenig eingestaubt, manche würden sagen wie aus der Zeit gefallen wirkt, vor allem in seiner gedruckten Form.

Dass der Duden weitaus breiter aufgestellt ist, wissen nur die Wenigsten. Eine Schande, denn sowohl der Onlinebereich „Sprache und Stil“ als auch der eigene Podcast haben so Einiges zu bieten. Mit Beiträgen wie „Nutzer korrekt verlinken auf Twitter und Co.“ oder „Das #Hashtag: Recht­schrei­bung, Grammatik, Zeichen­setzung“ dringt er dabei ganz zeittypisch in das Social Media-Universum vor. Und während Millennials und Gen Z über derartige Anleitungen nur müde lächeln können, fragen sich bei Beiträgen mit klingenden Titeln wie „Das Komma bei Partizipialgruppen“ generell erst einmal alle Generationen, was es denn mit Letzterem überhaupt auf sich hat. Und es kann sogar politisch werden: Interessierte können beispielsweise mehr darüber erfahren, woher die Wendung „Make America Great Again“ wirklich kommt – Wer hätte es gedacht, nicht Donald Trump hat sie ins Leben gerufen.

Der Duden geht mit der Zeit – es dauert nur ein wenig

Doch der Duden hat eine größere Bedeutung, als reiner Wissensspender zur Sprache, ihren Regeln und der richtigen Rechtschreibung zu sein. Mit ständigen Veränderungen durch die Neuaufnahme von populären Wörtern, der Entfernung weitgehend unbenutzter Begriffe sowie Anpassungen und Erklärungen zu bestimmten Wörtern versucht die Sprachinstanz ein Spiegel der Gesellschaft mit ihrem aktuellen Sprachgebrauch zu sein und macht dabei Sprachgeschichte sichtbar. Dazu gehört auch, sich von ebendieser belehren zu lassen. So machte Anfang 2020 der populäre Podcast schwanz & ehrlich mit dem Hashtag #Dudenistschwul auf die Definition des Wortes „schwul“ im Wörterbuch, und was sich daran ändern müsse, aufmerksam. Damit konnte zumindest ein Teilerfolg eingefahren werden, der Eintrag wurde nach öffentlicher Kritik angepasst. Eine Sprecherin des Dudens sagte zum Thema: Wörter, bei denen es ähnliche Kritikpunkte gäbe, stünden aktuell „unter Beobachtung“, um die Einträge ggf. ausführlicher zu überarbeiten.

Eine Entwicklung, die für einige längst überfällig, für andere so gar nicht fällig ist. Auch die aktuelle Erweiterung des Online-Dudens, der für rund 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen nun auch einen extra Eintrag für die weibliche Form zur Verfügung stellt und so das Problem des generischen Maskulinums angeht, stieß auf Zustimmung ebenso wie auch Kritik. Ob man nun den verlorenen Hackenporsche beweint oder seine Schwierigkeiten mit gendergerechter Sprache hat:  Es handelt sich bei derartigen Anpassungen um Änderungen, denen eine Entwicklung in der Bevölkerung vorrausgeht.

Was also bleibt zu sagen? Überholt ist das Format Duden längst noch nicht. Mittlerweile versammelt die Sprachinstanz eine Menge Wissenswertes um sich – und dabei ist von den vielen weiteren Wörter- und Sprachbüchern, die Stil, Synonyme oder Fremdwörter behandeln, noch gar nicht die Rede. Man weiß schlicht nicht genug über seine vielen Wissensquellen Bescheid. Denn trotz seines vielleicht nicht ganz modernen Images ist der gelbe Wälzer eine deutsche Institution wie auch Thomas Gottschalk und die Raufasertapete. Er mag seine Kritikpunkte haben, doch auf ihn ist immer Verlass. Aufmerksame Leser:innnen merken es: es steckt eine Liebeserklärung an das dicke gelbe Buch mit den dünnen Seiten in diesen Zeilen.

Franziska Dickmann ist Texterin PR/Corporate Publishing bei uns und beschäftigt sich in ihrem Alltag fortlaufend mit dem Thema Sprache.